Breitbandausbau in Westerkappeln

Quelle: Westfälische Nachrichten - 10.11.2017

Von Astrid Springer

Westerkappeln - soll beim Breitband bald einen Versorgungsgrad von 90 Prozent erreichen. „Das ist für den ländlichen Raum deutschlandweit herausragend“, betont Ingmar Ebhardt von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt. Der zentrale Ortskern bleibt beim Glasfaserausbau aber wohl weiter ein blinder Fleck.


Zum flächendeckenden Breitbandausbau informierten ausführlich Bürgermeisterin
Annette Große-Heitmeyer, WESt-Geschäftsführerin Birgit Neyer, Projektkoordinator
Ingmar Ebhardt und CDU-Vorsitzende Heike Cizelsky. Foto: Astrid Springer

Die Geschichte des Internets ist jung: In den 1990er Jahren lernte das Netz noch laufen – per ISDN-Verbindungen, die 64 Kilobits (kbit) Übertragungsrate boten. Seither hat sich die Technik rasant entwickelt, ein leistungsfähiger Internetzugang liegt inzwischen deutlich im zweistelligen Mbit-Bereich. Entsprechend ist der Informationsabend zum Breitband-Ausbau in Westerkappeln, zu dem der CDU-Ortsverband am Mittwoch eingeladen hatte, auf reges Interesse gestoßen.

Die Ortsverbands-Vorsitzende Heike Cizelsky begrüßte dazu im „Alten Gasthaus Schröer“ von der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft Steinfurt (WESt) deren Geschäftsführerin Birgit Neyer und Breitband-Koordinator Ingmar Ebhardt.

„Warum ist Breitband so wichtig?“, fragte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer zunäcjhst die Runde, „Alles wird inzwischen Online erledigt, die benötigten Datenmengen nehmen stetig zu“, führte sie aus. „In Zukunft will niemand mehr irgendwo leben, wo er keinen oder nur schlechten Internetzugang hat“, pflichtete Neyer ihr bei.

Für das schnelle Netz setzt der Kreis Steinfurt auf Glasfaser, kleinere Lösungen wie Vectoring oder KabelTV sind nicht angestrebt. „Glasfaser ist derzeit die leistungsfähigste Technik“, erläuterte Neyer. Die Grenze für die technische Umsetzung wurde im Kreis deshalb auf 100 Mbit ein- und ausgehende Datenrate angehoben.

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es drei Handlungsfelder: Nachfragebündelung und Privatausbau, Förderverfahren für die verbleibenden weißen Flecken sowie individuelle Beratung der Unternehmen, für die schnelles Internet unverzichtbar ist.

Der erste Schritt ist in Westerkappeln bereits vollzogen: Die Siedlungen rund um den Ortskern, das Gewerbegebiet und auch der Hollenbergs Hügel sind inzwischen mit Glasfaser versorgt. Neben der Deutschen Glasfaser ist dafür auch die Osnatel beziehungsweise EWE in Westerkappeln engagiert.
Zum flächendeckenden Breitbandausbau informierten ausführlich Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, WESt-Geschäftsführerin Birgit Neyer, Projektkoordinator Ingmar Ebhardt und CDU-Vorsitzende Heike Cizelsky.

Und auch für den Außenbereich hatte die Bürgermeisterin gute Nachrichten im Gepäck: Die Bundesförderung sei bereits bewilligt, die Landesmittel für den flächendecken Ausbau dürften in absehbarer Zeit verfügbar werden. Förderfähig seien Bereiche mit weniger als 30 MBit/s (Megabit je Sekunde Leistung, für die es keine Aufwertungspläne in den nächsten drei Jahren gibt, wie eine EU-Richtlinie vorsehe.

Mit etwa 4,4 Millionen Euro übernimmt der Bund etwa die Hälfte der Ausbaukosten in Westerkappeln, 40 Prozent trägt das Land, zehn Prozent muss die Gemeinde schließlich noch selbst für den Ausbau berappen – immerhin knapp 900?000 Euro.

Damit soll Westerkappeln einen Versorgungsgrad von 90 Prozent erreichen. „Das ist für den ländlichen Raum deutschlandweit herausragend“, betonte Breitbandkoordinator Ingmar Ebhardt. In Seeste und Westerbeck sei die Versorgung sogar lückenlos möglich und auch das Velper Industriegebiet bekomme Glasfaser: 956 Haushalte, 70 Betriebe und acht Institutionen wären dann ans schnelle Internet angeschlossen.

Wer allerdings aktuell bereits über der 30-MBit-Grenze liegt, hat Pech: Er fällt durchs Förderraster. Und damit ist beispielsweise Westerkappelns Ortskern nicht förderfähig. Ähnlich sieht es in Velpe-Hambüren aus, weil das Netz hier bereits vectorisiert wurde. „In diesen Bereichen kann es nur eine privatwirtschaftliche Lösung geben“, informierte Ebhardt. „Da sind wir dran.“

Einzelne blinde Flecken gibt es auch noch im Außenbereich, so beispielsweise an einem Teilstück der Langenbrücker Straße in Metten und kleinräumig wohl auch in Düte. „Wir prüfen derzeit, inwiefern wir diese Flächen doch noch in die Förderung überführen können“, sagte der Breitband-Koordinator.

Als nächster Schritt steht jetzt die Ausschreibung an. Wegen der komplizierten Ausschreibungsmodalitäten gibt die Gemeinde das Verfahren an ein Planungsbüro ab, denn der Kooperationsvertrag muss bereits konkrete Konzepte enthalten und auch eine rechtlich Absicherung ist notwendig. Bis zu einem halben Jahr könnten die Vorbereitungen für die Ausschreibung in Anspruch nehmen, schätzt Ebhardt, erst danach komme der endgültige Förderbescheid. Auftragsvergabe und Baubeginn sieht er daher erst ab 2019.

Cizelsky hätte diesen Zeitplan gern beschleunigt, von ihrem Vorschlag einen „Buddelverein“ zu gründen, riet Ebhardt jedoch ab: das würde sich kontraproduktiv auf die Fördersummen auswirken. Cizelskys Resümee: „Wir müssen auch die letzten zehn Prozent der Flächen im Blick behalten.“