"Salam" heißt Frieden

Quelle: Westfälische Nachrichten - 11.06.2018

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln. Was als „poetischer Dialog der Kulturen“ angekündigt war, begann am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche mit eher schrägen Tönen.


Die Ufermann Jazzformation und Sängerin Hayat Chaoui waren aus Wuppertal angereist und
begeisterten in der Stadtkirche mit ihrem Dialog unter dem Motto „Salam“. Foto: Dietlind Ellerich

Wer sich nicht so recht entscheiden mochte, ob da eine Säge im Einsatz war, eine Wäscheschleuder aus dem Takt geriet oder Kreide auf Tafel traf, wurde am Ende von Erhard Ufermann, Chef der gleichnamigen Jazzformation, eines Besseren belehrt, als das Daxophon mit seinen überirdischen Klängen das Ende des gut zweistündigen Konzerts einläutete.

Friedenssehnsucht als Brücke

„Salam“ heißt das Programm, das die Jazzformation Ufermann und die marokkanische Sängerin Hayat Chaoui im Rahmen der Informationsausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ des Vereins Wabe, der evangelischen Kirchengemeinde und der evangelischen Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Tecklenburg in Westerkappeln spielen. Und das, was zu Beginn und zum Schluss so ganz und gar nicht friedlich klingt, entwickelt sich dazwischen tatsächlich zu einer Brücke zwischen den Kulturen, den Religionen, den Welten.

Ob das arabische „Salam“, das hebräische „Shalom“ oder das deutsche „Frieden“, die Sehnsucht danach in unserer konfliktreichen Welt sei sehr groß, ist Pastorin Adelheid Zühlsdorf-Maeder, die die Besucher im Namen der Erwachsenenbildung begrüßt, sicher. Ihrer Einladung, sich auf die Melange aus lyrischen Kompositionen Erhard Ufermanns, der übrigens nicht verwandt oder verschwägert ist mit dem Westerkappelner Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann, aus Jazz, Chansons, alten spirituellen Liedern aus drei Religionen sowie Texten einzulassen, folgen die Frauen und Männer aus verschiedenen Kulturen gerne.

Begegnung durch Zeit und Klang

In dem Konzert mit Sängerin Hayat Chaoui, Komponist und Pianist Erhard Ufermann, Arrangeur Dieter Nett am Saxophon und an der Klarinette, Haro Eller am Daxophon und an der Gitarre, Jörg Dausend am Schlagzeug, Perkussionist Thomas Lensing und Martin Zobel an der Trompete und am Flügelhorn begegnen sich zeitgenössischer Jazz und jahrhundertealte jüdische, islamische und christliche musikalische Traditionen auf Augenhöhe.

Nicht nur schweigend oder träumend genießen durften die Besucher, sie mussten auch selber ran. „Das nächste Stück singen wir mit dem Chor, der hier sitzt“, lud Sängerin Hayat Chaoui die Menschen in den Kirchenbänken dazu ein, einzustimmen in das Lied „Salam Mawlana“. Mit ihrem Lieblingslied, einer Zusammenführung des deutschen Abendlieds „Der Mond ist aufgegangen“ und seines arabischen Pendants entließen die Musiker ihr Publikum in die Pause.

Auch im zweiten Teil überzeugten Ensemble und Solisten mit schwungvollen wie elegischen Arrangements. Das sichtlich beeindruckte Publikum, das den Akteuren mit stehenden Ovationen dankte, hätte gerne noch mehr gehört.