Kantorei der Stadtkirche Westerkappeln singt im Haus Bonhoeffer

Quelle: Westfälische Nachrichten - 05.11.2018

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - Mehr als zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger auf der Bühne, gut doppelt so viele Frauen und Männer im Publikum, das war am Sonntagabend eine klangvolle Basis für ein Konzert zum Zuhören und Mitsingen. Die Kantorei der evangelischen Kirchengemeinde und ihr Chorleiter Martin Ufermann hatten ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus eingeladen. Auf dem abwechslungsreichen Programm des Abends, das Kirchenmusikdirektor Ufermann mit einem Clubkonzert verglich, standen Kirchen- und Volkslieder.


Gut aufgelegt präsentierten sich die Sängerinnen und Sänger der Kantorei unter Leitung
von Martin Ufermann bei ihrem Konzert im Dietrich Bonhoeffer. Foto: Dietlind Ellerich


Wobei die Grenzen oft fließend seien und das eine oder andere Lied aus dem evangelischen Gesangbuch auf einem Volkslied basiere, erklärte der Chorleiter, der den Abend gut gelaunt, informativ und gewohnt locker moderierte.

Doch auch umgekehrt wird ein Schuh daraus. So sei manches Loblied auf Gottes wunderbare Schöpfung im Laufe der Jahre zum Volkslied geworden, weiß Ufermann, der den Gesang am Flügel begleitete.

Nicht nur das Zuhören genossen die Besucher an den mit Getränken und Knabberzeug gedeckten Tischen, auch beim Mitsingen waren sie mit guter Stimme und Laune dabei. Damit alle auch wirklich textsicher waren, lagen Gesangbücher – auch in Großdruck-Ausgabe – sowie Liederzettel mit Volksliedern aus.

Dass „O Haupt voll Blut und Wunden“, ein geistliches Lied zur Passionszeit aus der Feder Paul Gerhardts, das auf einem Minnelied basiert, amüsierte das Publikum besonders, als Martin Ufermann eine Kostprobe zum Besten gab. Der Hinweis, dass das Weihnachtslied „O du fröhliche“ seine Wurzeln in einem sizilianischen Volkslied hat, überraschte am Sonntag nicht mehr.

Dem geistlichen Teil folgte ein breit gefächerter Auszug aus dem deutschsprachigen Volkslieder-Schatz. Ob „Ännchen von Tharau“, „Hoch auf dem gelben Wagen“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“ oder „Die Gedanken sind frei“ - die Liederzettel mit vielen Strophen hielten das Publikum auf Trab und bei Stimme.

Tipps für das Singen eines Kanons hatte Ufermann ebenfalls parat. Es gehe nicht darum, die anderen einzuholen, machte er deutlich, dass ein harmonisches und klangvolles Miteinander mit einem gelungenen Ende im Vordergrund stehe.

Aus vielen Zuhörern kitzelte der Chorleiter im Laufe des Konzertes den längst vergessen geglaubten passiven Liedschatz heraus, den alle gemeinsam in Erinnerung an frühere Zeiten aktiv anstimmten.

Mit einigen Abendliedern beschlossen die Aktiven auf der Bühne und an den Tischen den klang- und stimmungsvollen Abend im Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Nicht ohne den Werbeblock, den Ufermann angesichts des fehlenden Chornachwuchses unermüdlich an den Mann und die Frau bringt.

Die Kantorei probt immer montags von 20 bis 22 Uhr, der Junge Chor mittwochs ab 20 Uhr, jeweils im Dietrich-Bonhoeffer-Haus.