Quelle: Westfälische Nachrichten - 14.11.2011

von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - „Haben Sie eigentlich schon Lust auf Weihnachten?", fragte Martin Ufermann. Es war ein ungewöhnlicher Auftakt, mit dem der Kirchenmusikdirektor die Gäste in der voll besetzten Stadtkirche auf sein neuestes musikalisches Großprojekt einstimmte. Mit „Simeon", einem „Musical-Oratorium" in sechs Bildern hoffte er, den Zuhörern einen Anstoß zu geben, sich auf neue Weise mit der Advents- und Weihnachtszeit auseinanderzusetzen.

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Auch die Soli aus den Reihen der Westerkappelner Chöre - wie hier die Hirten - konnten sich hören lassen.
Foto: (Dietlind Ellerich)

Die Geschichte des Propheten Simeon, zu der Thomas Gabriel und Eugen Eckert das 75-minütige Opus komponiert und getextet haben, ist schnell erzählt. Sie beschreibt das lange Warten des alten Mannes auf die Ankunft des Trösters und Erlösers Israels.

Wird sich die Ankündigung Jesajas erfüllen, fragt er sich und schwankt zwischen Hoffnung und Skepsis. Doch Simeon hält durch und wartet zweifelnd, aber geduldig, bis ihm Maria endlich das neugeborene Jesuskind in den Arm legt.

Rund 170 Sänger und Musiker führten das Werk am Wochenende unter der Gesamtleitung von Ufermann gleich zweimal in der Stadtkirche auf und begeisterten ihr Publikum mit ihren Klängen, aber auch mit ihrer Lust am Singen und Musizieren.

Perfekt harmonierten die beiden Westerkappelner Chöre, Kantorei und Junger Chor, die Jugendlichen des Orchesters des Ibbenbürener Goethe-Gymnasiums, die ihren Part mit ihrem Leiter Heiner Vornhusen einstudiert hatten, und die bewährte Band mit Joachim Dölker am Schlagzeug, Florian Seidenstücker am Bass und Christian Schauerte am Klavier mit den wirklich guten Gesangsolisten.

Ralf Emge verkörpert die Zerrissenheit und die Zweifel des alten Simeon glaubhaft, Sven Leimann führt als Evangelist durch die Handlung, Christine Karolius bewegt als Prophetin Hanna, Marion Gutzeit spielt die Maria. Doch auch die Soli aus den Reihen der Chöre mit Christine Huda, Tanja Dörn und Martina Bierbaum als Hirten sowie Carina Bittner als Engel können sich hören lassen.

Sängern und Instrumentalisten gelingt es, den weiten musikalischen Bogen, den der Komponist Gabriel vom gregorianischen Choral über traditionelle Weihnachtslieder wie „Macht hoch die Tür" oder „Es ist ein Ros entsprungen" bis zur Pop-Ballade und zu Latin-Rhythmen spannt, aufzunehmen und Emotionen wie Zweifel, Hoffnung, Resignation oder Glück erklingen zu lassen.

Was mit sechs Takten Metronomschlägen beinahe schon ein wenig bedrohlich beginnt, endet mit einem befreiten „Gloria in excelsis Deo. Halleluja" und - nach einer kurzen Atempause - mit tosendem Applaus und Standing ovations des Publikums. Ein Dank für die tolle Aufführung und die Leistung der Sänger und Musiker, aber wohl auch ein Kompliment an Martin Ufermann, der es mit seiner ansteckenden Begeisterung wieder einmal geschafft hatte, so viele Mitwirkende für ein tolles Gemeinschaftsprojekt zu gewinnen.

Lust auf Weihnachten ? Die Zuhörer mögen Ufermanns am Ende der Aufführung erneut gestellte Frage dieses Mal mit einem klaren „Ja" beantwortet haben.