Martin Ufermann 25 Jahre Kantor

Quelle: NOZ - 30.03.2012

Westerkappeln. „Noch manche schöne Herausforderung" warte auf ihn in Westerkappeln, da ist sich Martin Ufermann sicher. Seit 25 Jahren ist der Kreiskantor und Kirchenmusikdirektor für die musikalischen Belange in der evangelischen Kirchengemeinde zuständig. Eine Menge Steine hat er in dieser Zeit ins Rollen gebracht. Das bescheinigen ihm eigentlich alle, die mit ihm zu tun haben. Aber auch er selbst ist stolz auf sein Schaffen, mit dem er sich weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat.

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So kennen ihn nicht nur die Westerkappelner, sondern auch viele Freunde der Kirchenmusik aus der Region: Martin Ufermann als Leiter und Dirigent vieler Projekte wie der Aufführung „Simeon" im November 2011.
Foto: privat

Dabei stand für ihn im Herbst 1986 zunächst einmal die Frage im Raum, wo eigentlich Westerkappeln ist. Die Ausschreibung der Stelle eines hauptamtlichen Kirchenmusikers hatte der damals in Hamburg tätige gebürtige Gelsenkirchener eher zufällig gesehen, als er seinen Eltern beim Umzug nach Bad Salzuflen half. „Die ganze Wohnung war noch leer, aber die evangelische Kirchenzeitung ,Unsere Kirche' mit der Stellenanzeige lag schon im Briefkasten", erinnert sich der 56-Jährige schmunzelnd.

Seine Bewerbung nahm ihren Lauf. Die Wahl des Presbyteriums fiel auf Martin Ufermann, der allerdings mittlerweile skeptisch geworden war, ob er die Herausforderung annehmen und den Wechsel von der Großstadt aufs Land wirklich wagen sollte. Die damaligen Pastoren Horst-Dieter Beck, Hans Werner Schneider und Herbert Wessel waren jedoch überzeugt, dass der junge Mann die richtige Wahl sei, und ließen nicht locker. Mit Erfolg – und zum Glück, wie Martin Ufermann heute weiß. „Es war ein schönes Gefühl, dass man mich hier haben wollte", freut er sich über den vor 25 Jahren schon guten Kontakt zu den Theologen und später zu deren Nachfolgern.

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Dieses Bild stammt aus dem Oktober 1988.
Foto: Archiv

Bei seinem Dienstantritt im April 1987 übernahm er eine Kirchengemeinde mit einer lebendigen, aber dörflich geprägten Musikszene. Kirchen- und Posaunenchor, Flötenkreise, musikalische Früherziehung waren vorhanden, aber Ufermann wollte als erster hauptamtlicher Kirchenmusiker in Westerkappeln mehr. Allerdings waren die Menschen zunächst zurückhaltend. Die Mozartmesse auf Lateinisch, das Weihnachts-Oratorium? „80 Prozent des Chores kannten Letzteres gar nicht", erinnert sich Ufermann. Im Laufe der Jahre sei jedoch „etwas Schönes gewachsen", freut er sich über das harmonische Miteinander und die vielen Erfolge, die dadurch möglich wurden.

Der Aufbau des Jungen Chors, der im September auch schon sein 20-jähriges Bestehen feiert, gehört ebenso dazu wie zahlreiche große Projekte wie „Mass of Joy", „Emmaus" oder „Simeon" und die seit 15 Jahren beliebten Gospelworkshops, zu denen sich immer im Februar bis zu 200 Sänger – vom Schüler bis zum Senior – treffen.

Die „schönste Frucht" seines Wirkens ist für Martin Ufermann jedoch, dass viele Menschen über die Musik eine Beziehung zur Religion, zur Kirche gefunden, sich mit ihrem Glauben auseinandergesetzt haben. „Vielen sind Angebote wie die Workshops oder die Osternacht lieb geworden", freut sich der „Brückenbauer" Ufermann über alle, die mit seiner Hilfestellung in der Kirchengemeinde „ein Stückchen heimisch" geworden sind.

Ufermann war in den zweieinhalb Jahrzehnten nicht nur als Kirchenmusiker aktiv. Seit Jahren leitet er den Gemeindebeirat, organisierte Familienfreizeiten, ist regelmäßig in den Kindergärten vor Ort. Über das gemeinsame Singen mit den Kleinen sind in der Vergangenheit viele Eltern in seine Chöre gekommen. Auch für das „Männersingen" hat er sich starkgemacht.

Singen ist für Ufermann überhaupt das Größte. Deshalb wird sein 25-jähriges Dienstjubiläum, das perfekt in das EKD-weit gefeierte „Jahr der Kirchenmusik" fällt, am Sonntag in einem Singegottesdienst in der Stadtkirche gefeiert. Dann sind alle dabei, der Posaunenchor, der Junge Chor, die Kantorei, aber auch die alten Weggefährten, die Pastoren des vergangenen Vierteljahrhunderts, werden erwartet. Der ehemalige Superintendent Schneider wird die Predigt halten.