Konzert in der Stadtkirche Westerkappeln

Quelle: Westfälische Nachrichten - 30.01.2017

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - Wenn sich das Publikum nach einem Konzert besonders für die Instrumente interessiert, müssen es schon ungewöhnliche gewesen sein. „Am Ufer der Stille“ war ein besonderes Hörerlebnis.


Der Hang hatte es den Besuchern besonders angetan: Spieler Manfred Hendricks erklärte,
wie es funktioniert. Foto: Dietlind Ellerich

Es hatte etwas ungemein Beruhigendes, als Dr. Norbert Ammermann , Pfarrer und Kulturbeauftragter des Kirchenkreises Tecklenburg , an den Beginn der Nacht am Ganges erinnerte und wie ein Yogi in Indien den tiefen, lang gezogenen ersten Ton einer Raga-Tonleiter erklingen ließ. Die Erklärung, wie es in der Tonfolge weitergehen würde, bis um vier Uhr morgens die acht Töne eines Raga durchschritten seien, folgte ebenso auf dem Fuße wie der Kommentar, dass das am Sonntag auf die Besucher der Stadtkirche nicht zukommen werde.

Zu leisen Tönen in lauten schrillen Zeiten hatte Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann die Musiker im Chorraum und die Menschen in den Kirchenbänken begrüßt und allen wunderbare Hörerfahrungen gewünscht.

Es war in der Tat ein besonderes Konzert, das da unter dem Titel „Am Ufer der Stille“ über die Bühne ging. Das lag zum einen sicherlich an den ungewöhnlichen Schlag- und Zupfinstrumenten, die das Ensemble dabei hatte, und zum anderen an den Klängen, die Manfred Hendricks an Tabla und Hang, Sigrun Menzel an der Tanpura, Norbert Ammermann an der Sitar und Eugen Chrost an der Harfe ihnen entlockten.


Manfred Hendricks (v.l.), Sigrun Menzel, Norbert Ammermann und Eugen Chrost nahmen die
Besucher der Stadtkirche mit zum „Ufer der Stille“. Foto: Dietlind Ellerich

Die stimmungsvolle Stunde, laut Ufermann „ein Crossover von Ost nach West, vom Morgen- ins Abendland“, war eine Einladung, tief in sich hineinzuhorchen, den Tönen nachzuspüren, sich entspannt oder auch gespannt auf das ungewohnte akustische Erlebnis einzulassen.

Diese „ganz anderen Sequenzen, Dynamiken und Lautstärken“, die Ufermann angekündigt hatte, verfolgten einige der Frauen und Männer fasziniert, andere eher mit Stirnrunzeln, manche mit geschlossenen Augen, ein jeder nach seinem Empfinden.

Neugierig waren sie am Ende alle, wollten die Instrumente nicht nur betrachten, sondern auch einmal ausprobieren.

Der Hang, eine Klangskulptur aus Edelstahl, faszinierte die Besucher besonders. Nach dem Konzert scharten sie sich um den Spieler Manfred Hendricks, ließen sich das an eine Schüssel mit Deckel erinnernde Schlaginstrument erklären, das so einfach aussieht und doch so vielschichtig im Klang ist.

Hendricks bestätigt diesen Eindruck. „Es steckt weder Rhythmus noch Melodie darin, man kann aber beides darauf spielen“, erläutert er den Hang, der erst vor 15 Jahren in der Schweiz entwickelt wurde und nicht nur für ihn das Instrument des neuen Jahrtausends ist.