Meller Kammerorchester zu Gast in der Westerkappelner Stadtkirche


Das Meller Kammerorchester war bereits zum dritten Mal zu Gast in der Stadtkirche und wusste deren Akustik für eine sich reich entwickelnde Klangfülle zu nutzen.

Quelle: Westfälische Nachrichten - 14.02.2017

Von Franz-Josef Schlie

Westerkappeln - Bereits zum dritten Mal hat das Meller Kammerorchester in der Stadtkirche Westerkappeln konzertiert. Der Westerkappelner Musikpädagoge Heinz Berge gehört als Kontrabassist zu dem seit 20 Jahren bestehenden Ensemble und hatte das eindrucksvolle Gastkonzert eingefädelt.


Das Meller Kammerorchester war bereits zum dritten Mal zu Gast in der Stadtkirche und wusste
deren Akustik für eine sich reich entwickelnde Klangfülle zu nutzen. Foto: Christoph Pieper

Kantor Martin Ufermann begrüßte dazu am späten Sonntagnachmittag rund 70 Zuhörer. Zum Meller Ensemble gehören 25 Mitglieder, überwiegend Musiklehrer aus der hiesigen Region. Unter der Leitung ihres Dirigenten Ewald Bitter gelang es schnell, die gute Akustik der Stadtkirche für eine sich reich entwickelnde Klangfülle zu nutzen und die Zuhörer zu begeistern.

Besondere Erwähnung verdient die Mitwirkung der polnischen Oboistin Agnieska Zwolska aus Olzstyn, die den verhinderten Oboisten Armin Würz vertrat. Hier wirkten sich die guten Kontakte aus, die das Orchester bei der letzten Konzertreise im Oktober 2016 in Polen geknüpft hatte.

Das kontrastreiche Programm spannte den Bogen vom Barock über die Klassik bis hin zu Kompositionen der Moderne. Zu Beginn erklang im gemessenen Tempo eine Ouvertüre des böhmischen Komponisten J. D. Zelenka (1679 – 1745). Als Zeitgenosse Bachs wirkte er am Dresdener Hof. In den sechs Sätzen seiner Komposition favorisiert er das Wechselspiel zwischen der Holzbläsergruppe mit Oboe und Fagott und dem Streichertutti des Orchesters.

Es folgte dann das unter Kennern bekannte Flötenkonzert KV. 315 von W. A. Mozart. Die Solistin Halina Bitter überzeugte mit vollem Ton bei präziser Artikulation. Die chromatisch angelegten und mit zahlreichen Trillern verzierten Solopassagen entfaltete sie sehr klangvoll über dem Streicherplenum, besonders auch dann, wenn die Geigen nur pizzicato gezupft wurden.

Eine ganz andere Farbe brachte dann das Concerto in D für Trompete von Leopold Mozart in den beeindruckenden Nachmittag. Der Vater des berühmten Sohnes Wolfgang Amadeus ist vor allem als unermüdlicher Förderer und Erzieher und Reisebegleiter seines genialen Sohnes bekannt. Er hinterließ aber auch ein umfangreiches Werk, zu dem das aufgeführte zweisätzige Trompetenkonzert gehört. Die japanische Trompeterin Michiko Sugisaki begeisterte die Zuhörer mit dem silbernen Klang ihrer hohen A-Trompete. Die hohe Tongebung machte ihr die Intonation dabei nicht immer leicht.

Eine Besonderheit stellt sicher auch dar, wenn im Konzert eine Komposition eines Orchestermitgliedes erklingt. Otto Bode, Geiger des Ensembles und Osnabrücker Komponist, hat mit seinem Stück „Imagini“ für die Streicher seines Orchester eine Musik geschrieben, die trotz moderner, ungewohnter Harmonien und etwas spröder Melodik einen nachhaltigen Eindruck hinterließ.

Allgemein gilt der polnische Komponist K. Penderecki spätestens seit seiner Lukaspassion als Provokateur und Neutöner. Der heute 83-jährige Komponist entwickelte aber daneben einen Stil mit einer Synthese aus Tradition und Innovation. Dass er auch beschwingte Musik in konventioneller Kompositionstechnik schreiben kann, dafür waren seine „Drei Stücke im alten Stil“ ein beim Publikum willkommenes Zeugnis.

Höhepunkt des Konzertes war das Hauptwerk, die Sinfonie in B Nr.5 von Franz Schubert. Die frühe Sinfonie des erst 19-jährigen Wiener Meisters in ihrer Besetzung mit Flöte, Oboe, zwei Fagotten, zwei Hörnern und Streichern gelang dem Orchester vortrefflich, besonders eingängig der tänzerische vierte Satz. Der Chorraum der Stadtkirche bot dem Ensemble ideale akustische Bedingungen für das Werk des Frühvollendeten, der nur 31 Jahre alt wurde. Das Kammerorchester traf sicher die vom jugendlichen Überschwang geprägte musikalische Stimmung.

Lang anhaltender Schlussapplaus des Publikums bestätigte dem umsichtigen Dirigenten Ewald Bitter, dass er eine ansprechende Programmauswahl getroffen hatte.

Die Musiker des Meller Kammerorchesters und die beiden überzeugenden Solisten Halina Bitter und Michiko Sugizaki wird man sicher gern in Westerkappeln wieder hören.