20. Gospelworkshop in Westerkappeln

Quelle: Westfälische Nachrichten - 26.02.2017

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - Unter dem Titel „Vergib mir“ hat am Wochenende ein Gospelworkshop unter der Leitung von Axel Christian Schullz stattgefunden. Die Stimmung unter den 80 Sängern und Sängerinnen, die an der 20. Auflage der Veranstaltung teilnahmen, war locker, aber auch konzentriert. Gestern war das Abschlusskonzert in der Stadtkirche.


Der Musiker und Dozent Axel Christian Schullz leitete den 20. Foto: Dietlind Ellerich

„Einige sind noch ein bisschen unsicher und fragen sich, wann es weiter geht. Andere überlegen, wo ihre Nachbarn gerade sind, und dann ist es zu spät.“ Das Dilemma, das Axel Christian Schullz in diesen Sätzen beschreibt, ist nicht nur das der Sängerinnen und Sänger, sondern vor allem seines. Der Musiker muss die einzelnen Stimmen, den gesamten 80 Frauen und Männer starken Chor auf Linie bringen. Schullz ist der Leiter des Gospelworkshops im Dietrich-Bonhoeffer-Haus und an diesem Samstag ebenso ambitioniert und gut gelaunt wie die Teilnehmer.

„Die Stimmung ist locker, entspannt, konzentriert, alle machen gut mit, haben Spaß“, sagt er, bevor er sich an den Flügel setzt und hören will, „was von gestern Abend noch da ist“.

„Vergib mir“ ist der Titelsong des Konzertes, zu dem sie am gestrigen Sonntagnachmittag in die Stadtkirche eingeladen hatten. „Ich drehe mich um und sehe dich an, das fällt mir nicht leicht“, singen die Frauen und Männer und verstehen das mit dem Ansehen bildlich. Einander zugewandt stehen sie in Gruppen zusammen, proben nicht nur das Lied mit Strophe, Refrain und Bridge, sondern auch schon ein wenig die Choreographie, die dahinter steht. Der Bariton einzeln, dann mit dem Alt zusammen, Note für Note, Takt für Takt entsteht das Lied, das dem Konzert seinen Namen geben wird.

„Vergib mir“, das gilt auch für manche Kritik, die Schullz an den Teilnehmern übt, doch der erfahrene Workshopleiter kann sich gewiss sein, dass ihm niemand direkte Worte übel nimmt.

Im Gegenteil. „Können wir noch einmal alleine“, fragt jemand im Alt. Die Frauen stehen zu ihrer Unsicherheit, sehen selber Handlungsbedarf. Schullz knöpft sie sich noch einmal vor. „Läuft doch“, stellt er kurz darauf zufrieden fest.

„Warum tust du mir das an“, heißt es weiter im Lied. Kein böses Omen für die Zusammenarbeit der Sängerinnen und Sänger mit Musiker. Sie ziehen von Freitagabend bis Sonntagmittag alle gemeinsam an einem Strang, erarbeiten die Songs für ein Konzert, mit dem sie etwas von der Freude, die sie beim 20. Gospelworkshop haben, weitergeben möchten.

Es ist die dritte Auflage mit Axel Christian Schullz, der ein Programm mit deutschen Liedern voller innerlichem Tiefgang mitgebracht hat. „Vergib mir“ erinnert ihn an einen Stasi-Spitzel , der einen guten Freund verraten hat. „Ich vergebe dir, aber der erste Schritt musste von dir kommen“, erzählt er sichtlich bewegt von den beiden Männern. Ein bisschen entspannter und temporeicher geht es weiter mit der Proben. „So ist das Leben, vieles ändert sich, was Neues kommt, das Alte geht, die Zeit läuft weiter“, heißt es in „Ist nicht so schlimm“. Gut dass sich manches nicht ändert und stattdessen immer wiederkehrt.

Der Gospelworkshop ist für viele Menschen aus der Region zu einer solchen Konstante geworden, die sie nicht missen möchten. Auch Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann , der den Workshop vor 19 Jahren nach Westerkappeln geholt hat, und die zahlreichen Helfer, die sich Jahr für Jahr für das Event stark machen, machen immer wieder gerne mit.