Das Leben Martin Luthers - als Oratorium

Quelle: Westfälische Nachrichten - 04.08.2017

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - Noch gut sechs Wochen – ob Kreiskantor Martin Ufermann dann aufatmen kann? Bis dahin gibt es noch einiges zu tun, ehe die Uraufführung des Musical-Oratoriums auf der Freilichtbühne in Tecklenburg wirklich steht.

 

Martin Ufermann leitet die Uraufführung von „Bruder Martin“ am 17. September auf der
Freilichtbühne Tecklenburg. Im Oktober sind weitere zwei Aufführungen in der
Stadtkirche Westerkappeln vorgesehen. Foto: Dietlind Ellerich

Gelassenheit muss groß geschrieben werden. Nicht nur grammatisch gesehen, sondern bei Martin Ufermann in den kommenden sechs Wochen auch im übertragenden Sinne. „Bruder Martin“ bereitet ihm eine ganze Menge Arbeit. Und auch wenn eigentlich alles in trockenen Tüchern ist, gibt es manche Unbekannte, die das Großereignis anlässlich der Feier des 500-jährigen Reformationsjubiläums zu einer spannenden Herausforderung machen.

„Der Rohbau steht“, bekräftigt Ufermann. Seit Monaten proben seine drei Chöre, der Junge Chor und die Kantorei aus Westerkappeln sowie der Ki-Pop-Chor aus Mettingen unter seiner Leitung und sind in ihrer Chornotenpartitur auf eine Reihe von Ohrwürmern gestoßen, die ihnen richtig Freude bereiten.

„Meine Chöre lassen sich inzwischen auf jedes Abenteuer ein“, freut sich Ufermann über die positive Resonanz auf die Proben an dem Musical-Oratorium, das die drei evangelischen Kirchenkreise Tecklenburg, Steinfurt-Coesfeld-Borken und Münster in Auftrag gegeben hatten.

„Nach mehrstündiger angeregter Verhandlung haben wir Nägel mit Köpfen gemacht“, erinnert sich Ufermann an die Entscheidung für „Bruder Martin“ vor knapp drei Jahren.

Verpflichtet wurden Thomas Gabriel und Eugen Eckert, die sich in der Region bereits durch die Oratorien „Simeon“ und „Emmaus“ einen Namen gemacht hatten. Der evangelische Pfarrer Eckert schrieb das Libretto, das das Leben und Wirken Martin Luthers beleuchtet. Als die Texte vorlagen, machte sich der katholische Kirchenmusiker Gabriel ans Werk.

Entstanden ist ein Oratorium in sieben Bildern und einem Prolog. Auf Ufermanns Initiative führt zudem ein Erzähler durch die Geschichte. „Wir konnten Alfred Buß für diese Rolle gewinnen“, freut sich Ufermann, dass der ehemalige Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen dabei ist.

Mit im Boot sind nicht nur weitere Chöre aus dem Münsterland, das Orchester „Musica Viva“ aus Ibbenbüren sowie die „Luther-Rockband“, sondern auch zahlreiche Gesangssolisten, viele Profis, aber auch Sänger aus den Reihen der Chöre. Viel Arbeit für den Gesamtleiter Martin Ufermann, der nicht nur Verhandlungen mit den Musikern und Sängern führte, sondern auch in regelmäßigem Kontakt mit der Freilichtbühne Tecklenburg steht.

Treffen mit dem Intendanten Radulf Beuleke und den Verantwortlichen für Bühnenbau und Bühnentechnik waren notwendig, um das Open-Air-Ereignis zum Abschluss des großen Reformationsfestes Mitte September durchzuplanen. Trotz aller Gelassenheit und positiver Grundstimmung gab es zwischendurch auch für Ufermann Momente, in denen er glaubte, das Projekt „Bruder Martin“ sei gestorben.

„Orchester und Band überdacht, alles andere Open Air“, so der aktuelle Stand, auf den sich alle Beteiligten in enger Abstimmung mit dem umfassenden Sicherheitskonzept geeinigt haben.

„Open Air“ also auch die insgesamt 320 Sängerinnen und Sänger, die seit Monaten in ihren Ensembles proben. Spannung ist da nicht nur hinsichtlich des Wetters angesagt, sondern auch im Hinblick auf die erste Probe, in der alle gemeinsam versuchen werden, Rhythmus und Groove miteinander in Einklang zu bringen.

Eine Hauptprobe am Freitag in der Stadtkirche, dann die Generalprobe am Samstag, bevor am Sonntag die Uraufführung auf der bereits ausverkauften Freilichtbühne ansteht, mehr gehe zeitlich und räumlich nicht, stellt der musikalische Leiter klar, dass es keinen Spielraum für endlose Proben gibt. Zudem stehen noch zwei Chorprobentermine an den ersten beiden Septembersamstagen im Kalender.

Doch Ufermann wäre nicht Ufermann, wenn er nicht mit Zuversicht und Gelassenheit in die Schlussphase des Großprojektes „Bruder Martin“ blicken würde.

„Das wird ganz großes Kino auf der Bühne“, zitiert er den Komponisten Gabriel, der ein Meister der unterschiedlichen Musikstile sei. Das Publikum dürfe gespannt sein, ist Ufermann sicher, dass die Uraufführung mit jeder Menge Gänsehautmomente reibungslos über die Bühne gehen werde.

Seine drei Chöre sind jedenfalls mit Herzblut bei der Sache. Manche kennen ihre Noten und Einsätze bereits im Schlaf, weiß Ufermann, dass der eine oder andere Sänger schon einmal mitten in der Nacht aufgewacht ist und stante pede hätte mitsingen können. Gut so, schließlich muss alles sitzen, wenn Martin Ufermann in wenigen Wochen auf der Tecklenburger Freilichtbühne zur Uraufführung den Taktstock hebt.


Aufführung in der Stadtkirche

Für die beiden Aufführungen in der Stadtkirche am Samstag, 14. Oktober um 19 Uhr und am Sonntag, 15. Oktober um 17 Uhr hat der Vorverkauf bereits begonnen. Eintrittskarten sind für 15 Euro (ermäßigt elf Euro) bei Lotto Bensmann und bei den Chormitgliedern erhältlich. Kartenbestellungen sind zudem unter www.junger-chor-wk.de und unter Tel.: 05404/96360 (AB) möglich. An der Abendkasse werden die Karten 18 Euro (ermäßigt zwölf Euro) kosten.