Quelle: WN - 21.11.2010

Westerkappeln - „Lebensklänge" - so lautete der Titel des Konzerts in der Evangelischen Stadtkirche am Samstag Abend - „Musik der Hoffnung zum Totensonntag". Unter diesem Titel waren fast zwanzig ganz unterschiedliche Musikstücke vom 17. Jahrhundert bis heute zusammengefasst.

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Die Sängerinnen und Sänger der Kantorei hatten sich auf die Orgelempore begeben. Gedämpftes Licht und der freie Blick durch die Bestuhlung des Altarraumeserleichterten das Eintauchen in die besinnliche Atmosphäre.
Foto: (Sunhild Salaschek)
 

Kantor Martin Ufermann, in dessen bewährten Händen die Leitung und ein Teil der Orgelbegleitung lagen, gab dem zahlreichen Publikum bei seiner Begrüßung gleich auch Hinweise zum Hören mit auf den Weg: „Geben Sie sich der Stimmung des Konzertes hin und fragen Sie sich ,was trägt mich durch das Leben und Sterben´."

 

Gedämpftes Licht und die Bestuhlung des Altarraumes, der den Blick auf die vor der Orgel Singenden und Spielenden frei gab, erleichterten das Eintauchen in die besinnliche Atmosphäre. Die Musik mit Beiträgen von „barocker Todessehnsucht über kindliche Romantik bis hin zur Gegenwart" (Ufermann) war dem Anlass entsprechend überwiegend getragen.

 

Im Vorgriff auf die Adventszeit eröffnete die Kantorei der Stadtkirche das Konzert mit „Wachet auf, ruft uns die Stimme" in den Vertonungen von Felix Mendelssohn-Bartholdy (Paulus-Oratorium) und von Johann Sebastian Bach (Kantate 140).

 

Bei allem aufmunternden Zuruf gestaltete die Kantorei dieses Lied andächtig nachsinnend und ließ die Besucher so spüren, wie eng das Ende des Kirchenjahres und der Neubeginn miteinander verknüpft sind.

 

Die Zusammengehörigkeit von Tod und Leben kam neben vielen anderen Stücken auch im Psalm 46 von Georg Schürmann vehement zum Ausdruck: Da wechseln ruhige Passagen, bei denen der Chor über menschliche Nöte spricht, mit flotten Orgelpartien, denn „die Stadt Gottes soll lustig bleiben".

 

Zuversicht und Gottvertrauen wurden nicht nur in den Texten betont, sondern auch immer in der Musik selbst deutlich. Der Hornist Roland Krause aus Osnabrück steigerte diese Grundaussage mit seinen warmen tiefen und aufstrebenden Tönen (zum Beispiel Alexander W. Alexandrow). Auch die Osnabrücker Sängerin Christine Karolius beeindruckte besonders in den tieferen Lagen mit ihrer gleichzeitig klagenden und beruhigenden Stimme (Johannes Brahms).

 

Dagegen hob der Ibbenbürener Organist Christian Schauerte bei seiner Interpretation der Choralbearbeitung „Herr Jesu Christ, Dich zu uns wend" (J.S. Bach) das Geheimnisvolle des göttlichen Wirkens hervor.

 

In seiner Einführung hatte Ufermann besonders auf die Orgelkomposition „Vor Deinen Thron tret´ ich hiermit" hingewiesen, die Bach auf dem Totenbett geschrieben haben soll. In der Tat verlieh dies von Schauerte dicht interpretierte Werk dem Konzert nochmals einen neuen Impuls, der die Zuhörer immer wieder vor die Frage stellte, in wie weit sie die Musik konzentriert verfolgen oder sich einfach der tröstlichen Atmosphäre hingeben sollten. Die Ausführenden beeindruckten die Kirchenbesucher jedenfalls mit erneuter Steigerung der ausdrucksvollen Klangintensität und dem emotionalen Zusammenwirken.

 

Noch vor einer Generation hätte man nach solch einem Kirchenkonzert nicht geklatscht. An diesem Abend zeigte die lange Pause ehe der Beifall einsetzte, wie andächtig die Hörer gewesen waren. Folgerichtig gab es keine Zugabe.

 

Den Schlusspunkt hatte bereits der bekannte Choral von Friedrich Silcher (1842/1862) gebildet: „So nimm denn meine Hände und führe mich - in Dein Erbarmen hülle mein schwaches Herz."

 

VON SUNHILD SALASCHEK