Presse 2009

Über 1200 Menschen in der Kirchenoase

Quelle: Westfälische Nachrichten -11.08.2009

Von Karin C. Punghorst

Westerkappeln - Momente der Ruhe und der Besinnung: Für viele Menschen ist die Kirchenoase in der evangelischen Stadtkirche zu einem besonderen Anziehungspunkt geworden. Seit ihrer Eröffnung am Sonntag, 28. Juni, haben nach Angaben von Martin Ufermann rund 1270 Menschen die Kirchenoase im Altarraum besucht.

 
Stille Oase : Cornelia Kuhlmann und ihre Tochter Alexandra genießen die Stimmung im Altarraum. Foto: Karin C. Punghors

„Mit so einer großen Resonanz haben wir nicht gerechnet", freut sich der Kirchenmusikdirektor, der das Projekt anlässlich des 500-jährigen Bestehens der Stadtkirche ins Rollen gebracht hat. Vor allem die Sonntage werden mit 60 bis 80 Besuchern gut angenommen. In der Woche kommen rund 20 bis 45 Menschen pro Tag.

Angetan waren jetzt Cornelia Kuhlmann und ihre neunjährige Tochter Alexandra. Gemeinsam schlendern sie durch den Chorraum und ruhen sich auf den Altarstufen ein weinig aus. Die beiden kennen die Kirche sonst von den Gottesdiensten, jetzt erleben sie den sakralen Ort einmal anders: Im Hintergrund läuft leise Musik, in einem kleinen Brunnen plätschert Wasser. Im Chorraum verteilte Gläser mit Teelichtern tauchen die Kirche in eine heimelige Atmosphäre.

Der Aufenthalt in der Kirche tut gut, das ist auch Cornelia Kuhlmann anzumerken: „Ich finde das hier fantastisch." Tochter Alexandra schmiegt sich an ihre Mutter, immer wieder blickt sie auf die bläulich schillernden Fische, die an langen Bändern schwebend die derzeitige Gestaltung akzentuieren. „Die Fische sind witzig", sagt die Grundschülerin. Verantwortlich für die derzeitige Gestaltung ist das Blumengeschäft „Efeu-Ranke".Erinnerungen an den Sommerurlaub an der See kehren beim Betreten des Gotteshauses zurück: Sand knirscht unter den Schuhen, die der ein oder andere sicherlich gerne ausziehen möchte. Dünengras ist in schlichten Vasen und Flaschen in der Kirche verteilt.

Für jeweils zwei Wochen haben die hiesigen Gärtnereien die Gestaltung der Kirche übernommen. Neben der Efeu-Ranke beteiligten sich die Baumschule Fels, Welsch & Bitter, Kammler und Hischemöller. „Jeder hat es anders gemacht, aber alle haben mir gefallen", sagt Ufermann und bedankt sich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit mit den hiesigen Fachbetrieben. Besonderen Dank zollt er Küsterin Ilse Borgmann-Schäper, „ohne ihre Hilfsbereitschaft wäre das alles nicht möglich gewesen".

Ermöglicht wurde die Kirchenoase zudem durch das Engagement folgender Kirchengruppen, die jeweils zu den außerordentlichen Öffnungszeiten unter anderem Aufsichtsdienste übernommen haben: Junger Chor, Kantorei, Frauenhilfe, Seniorenkreis, Eine-Welt-Laden, Kindergottesdienstkreis-Süd, beide evangelische Kindergärten und Vertreter der Jugendarbeit mit den Pfadfindern. Damit ist Ufermann bei einem besonderen Wunsch angelangt: Er hofft, dass sich künftig Möglichkeiten entwickeln, die Stadtkirche auch in der Woche temporär zu öffnen. „Was hilft uns die schönste Kirche, wenn sie immer abgeschlossen ist?", fragt der Christ. Die Kirchenoase habe ihm gezeigt, „dass Menschen, die sonst nicht unbedingt in den Gottesdienst gehen, die Kirche wieder für sich entdecken." Die Eintragungen im Gästebuch geben ihm recht: „Es tut gut, hier zu sein", „Danke für die halbe Stunde mit Gott", ist dort beispielsweise zu lesen.

Für Martin Ufermann ist die Stadtkirche ein Stück Heimat. Diese Zuflucht möchte er möglichst vielen Menschen zuteil werden lassen, das ist ihm anzumerken. Die Stadtkirche hat in ihrer 500-jährigen Historie Etliches erlebt: Es gab Trauer und Freude innerhalb der alten Mauern. Dieses Geschichtsbewusstsein möchte Ufermann zeitgemäß mit der Gegenwart verbinden: „Lasst alte Mauern neu erblühen."

Die Kirchenoase ist noch bis zum Gemeindefest am 23. August montags bis samstags von 15 bis 17 Uhr und sonntags von 14.30 bis 18 Uhr geöffnet.