Presse 2007

Mitreißende Stimmung und einen unvergesslichen Abend erlebten die 500 Zuhörer beim Zusatzkonzert der Gospel-Rhapsodie „Our Father in Heaven" am Samstag in der evangelischen Stadtkirche. Der Ki-Pop-Chor Mettingen, der Junge Chor Westerkappeln sowie das Orchester des Goethe-Gymnasiums und die Solisten übertrafen ihre packenden Darbietungen aus den vier vorangegangenen Konzerten und rissen alle förmlich mit.

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Unser Bild zeigt jene, die das Konzert möglich machten (von links): Orchesterleiter Heiner Vornhusen, Komponist Ralf Grössler, Solistin Joanne Bell und Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann. Foto: Sonja Möller

Maßgeblichen Anteil daran hatte Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann, dem wieder die Gesamtleitung oblag. Besonderer Clou: Komponist Ralf Grössler saß am Klavier und verlieh seinem großangelegten Werk eine persönliche Note. Solistin Joanne Bell lief zu Höchstform auf und begeisterte mit ausdrucksstarker Stimme und Mimik. Die 68-Jährige animierte die Zuhörer zum Mitsingen. Der musikalische „Dialog' zwischen Chor und Zuhörern zauberte geradezu zwangsläufig ein Lächeln auf jedes Gesicht.

Quelle: Neue-OZ - 19.11.2007

Westerkappelner Sänger machen sich auf den Weg nach Dortmund

WESTERKAPPELN. Zur Teilnahme an einem "Klangfest des Glaubens" hatte sich die Kantorei der Stadtkirche auf den Weg nach Dortmund gemacht.

Zusammen mit rund 1200 Teilnehmern feierten die Chorsänger auf Einladung der Westfälischen Landeskirehe den 400. Geburtstag Paul Gerhardts, des populärsten Dichters geistlicher Lieder. Nach einer großen Paul-Gerhardt-Revue zur Eröffnung in der Reinoldikirche mit viel Chor- und Bläsermusik, Tanz, einem Paul-Gerhardt-Rap sowie Lesungen verteilte sich die große Teilnehmerschar auf viele unterschiedliche Workshopangebote wie Chor, Bläser, Tanz, Theater, Sprachkunst, Rap, Poparrangements und Musik der Paul-Gerhardt-Zeit.

Daneben lud die "Klingende Kirche" den ganzen Tag über zu einem abwechslungsreichen, fortlaufenden Musik- und Literaturprogramm mit vielen Künstlern ein.

Beim Abschlussgottesdienst mit Präses Alfred Buß konnte die Reinoldikirche die große Zahl der Teilnehmer kaum fassen. Von allen Seiten erklang Musik der Bläser-, Kinder- und Erwachsenenchöre.

Besonders eindrucksvoll war laut Mitteilung der vereinte, mächtige Gesang der über 1000 Gottesdienstbesueher, der sich zum Teil vierstimmig und in mehreren Kanongruppen entfaltete.

Quell: Neue OZ - 22.10.2007

Was Palf Grösler bei seinen Kompositionen inspiriert

Von Sonja Möller
WESTERKAPPELN. Für die rund 200 Sänger und Musiker der Gospel-Rhapsodie „Our Father in Heaven" war es eine besondere Ehre: Komponist Ralf Grössler saß beim Zusatzkonzert selbst am Klavier und begleitete die Chöre. Dabei war es auch für den Kreiskantor aus Wildeshausen eine Premiere. „Ich spiele die Rhapsodie heute zum ersten Mal vor Publikum", erzählte Grössler vorab gut gelaunt und warf noch einen Blick in die Noten. Dann ging es los.

Der Entschluss, an einem seiner Stücke selbst mitzuwirken, war spontan gekommen: „Ich war mit meinen Kindern an der Ostsee, als mir meine Frau erzählte, dass beim Konzert in Westerkappeln ein Pianist fehlt. Eine tolle Gelegenheit für einen schönen Abend", befand der passionierte Musiker. Dagmar Grössler ist Vibrafonistin. „Als wir noch keine Kinder hatten, haben wir öfter zusammen mitgespielt." Heute lässt der 49-Jährige seiner Frau häufig den Vortritt: „Vibrafonisten sind selten."

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Parade in Schwarz: Für alle Akteure war es etwas Besonderes, dass Komponist Ralf Grössler selbst am Piano Platz genommen hatte. Foto: Sonja Möller

Der klassisch ausgebildete Kirchenmusiker beschäftigt sich seit seinem Studium an der Musikhochschule in München intensiv mit dem amerikanischen Komponisten George Gershwin. Ralf Grössler schrieb seine Diplomarbeit über die Jazz-Elemente in Gershwins klassischen Werken und ließ sich davon bei seiner Arbeit inspirieren. „Wenn das mit Jazz möglich ist, warum dann nicht auch mit Gospel?"

Das war vor 25 Jahren. Seitdem hat es dem Wildeshausener diese Musikrichtung angetan. „Gospel lockert den Körper, löst ihn, und die Menschen kehren in eine Einheit mit dem Gesang zurück", erläutert er das Faszinierende daran.

„Wir haben eine gewisse Steifheit im Singen, die Lieder über die Liebe genauso klingen zu lassen wie über den Tod. Da muss Bewegung rein, und das macht der Gospel", ist sich Grössler sicher. „Sogar meine Kantorei singt Stücke jetzt ganz anders", erzählte er lachend.

Die Gospel-Rhapsodie „Our Father in Heaven" geht auf eine autobiografische Phase in Grösslers Leben zurück: „Dieses starke Gefühl der Einsamkeit und die Bedeutung des Vaterunser' habe ich selbst erlebt." Der Komponist schrieb 1985/86 das Urstück zum heutigen Werk.

„2001 wurde es einmal aufgeführt und danach nicht wieder. Diese Fassung ist weder gedruckt noch verlegt worden", erinnert sich Grössler. Das Stück verschwand in der Schublade, bis ein Erlebnis den 49-Jährigen tief beeindruckte: „2001 war unsere Tochter gerade auf der Welt, und bei uns herrschte fünfTage Ausnahmezustand", erinnert sich der Komponist. Alle Medien blieben in dieser Zeit ausgeschaltet. „Als wir am 11. September abends den Fernseher wieder einschalteten, sahen wir die unfassbaren Bilder des einstürzenden World Trade Center." Die Grösslers waren geschockt. „Da war mir klar: Ich möchte das Stück von damals abschließen."

Grössler brachte neue Impulse hinein, schrieb den Schluss komplett um und komponierte eine Zugabe. So entstand eine symphonische Rhapsodie, die allein in Westerkappeln und Umgebung über 2700 Zuhörer mitgerissen hat. „Seit 25 Jahren kombiniere ich nun klassische Kirchenmusik mit Gospel, und bis jetzt kenne ich keinen, der das auch macht." Dabei sieht Ralf Grössler gerade in dieser Mischung das Erfolgsgeheimnis seiner symphonischen Werke: „Viele kennen diese Mischung nicht und sind überrascht, wie gut unverstärkte Instrumente klingen."


„Wir haben eine
gewisse Steifheit
beim Singen"
Ralf Grössler, Gospel-Fan

Das „symphonic gospel", wie er seine Musikrichtung selbst nennt, sei eine Alternative zu klassischen Oratorien. Dabei geht es Grössler nicht darum, Menschen kurzweilig zu erfreuen. Vielmehr möchte der Komponist, dass seine Zuhörer die Aussage seiner Stücke erspüren.

Sein neues Gospeloratorium „Prince of Peace" handelt von Jesus von Nazareth. Die instrumentale Besetzung ist farbenfroher und symphonischer denn je. „Langeweile im Orchester gibt es bei mir nicht", sagte er schmunzelnd.

Im April wurde „Prince of Peace" uraufgeführt. Die Reaktionen bewegten Grössler: „Die Menschen waren danach unglaublich ergriffen. Viele konnten nichts sagen und mussten ihre Gefühle erst verarbeiten." Bestimmt hat sich der Westerkappelner Kantor Martin Ufermann die Noten für den „Prince of Peace" schon besorgt.

Quelle: Neue OZ - 21.11.2007

Musik ist nicht bloß eine Sache des Übens, sondern vor allem eine der Seele. Von letzterer wirft in diesem Monat der Mettinger Ki-Pop-Chor eine ganze Menge in die Waagschale: Er geht mit der Gospelsängerin Joanne Bell und weiteren Seelenverwandten auf eine Tournee. mittendrin hat sich bei der Vorbereitung der schwarzen Messe von der Gewaltigkeit des Gesanges gefangen nehmen lassen.

 
Entfesselung vokaler Energie: Martin Ufermann spornt die Chorsänger an.

Nach einer Stunde ist die Luft raus. Nicht aus den Sängern, nein, das noch lange nicht. Aber aus dem Raum. „Können wir mal das Fenster aufmachen?" ruft Martin Ufermann in die Runde, worauf jemand in den Stuhlreihen sich erhebt und für Frischluftzufuhr sorgt. Die hat der Mettinger Ki-Pop-Chor jetzt auch dringend nötig. Nach ein Mezzo-forte-Probendurchlauf ist tatsächlich ein Gutteil des Sauerstoff in dem Raum des im Mettinger Ortskern gelegenen evangelischen Gemeindehauses verbraucht. Wenn die Lungen der Sängerinnen und Sänger noch etwas hergeben sollen, muss erst einmal wieder etwas hinein. Einige Chormitglieder nutzen die kurze Unterbrechung auf ihre Weise, greifen zu Flaschen mit Wasser oder Apfelschorle, nehmen ein paar schnelle Schlucke, bevor Chorleiter Ufermann zum nächsten Stück übergeht.
An diesem Septemberabend kribbelt es in der Luft, und das liegt nicht etwa an dem schwindenden Sauerstoff. Auch nicht daran, dass der Gesang der Vokalisten immer getragener wird. Das liegt vor allem an der Aufregung der Akteure: Die Mitglieder des Ki-Pop-Chores – eine Abkürzung, die für die Verbindung von Kirche und Popmusik steht – proben für eine kleine Tournee, die sie im Oktober durch die Region führen wird. Im Gepäck der Sängerinnen und Sänger: „Our Father in Heaven", eine Gospel-Rhapsodie zum Vaterunser. Mitwirkende: der Ki-Pop-Chor selbst, der Junge Chor Westerkappeln, das Orchester des Ibbenbürener Goethe-Gymnasiums, eine Band sowie die US-amerikanische Gospelsängerin Joanne Bell, die die Sologesangparts übernimmt. Langsam aber sicher neigt sich die Probenphase dem Ende zu. Es wird ernst, die Sänger werden heiß.

„Ja, die Sänger merken, dass es jetzt in die Zielgerade geht", schmunzelt Martin Ufermann. Der Chorleiter hat es sich in einem in der Nachbarschaft des Gemeindehauses gelegenen Eiscafe bei einem Cappuccino gemütlich gemacht. Bis zum Beginn der Probe dauert es noch ein bisschen. Zeit genug, noch mal ein paar Gedanken auf die anstehende musikalische Herausforderung zu verwenden. „Das Ganze ist ein echtes Abenteuer, nicht zuletzt wegen der Beteiligung von Joanne Bell", sagt Ufermann. Der Mettinger Chor hat bereits vor drei Jahren ein ähnliches Projekt mit der in Hamburg lebenden schwarzen Weltenbummlerin verwirklicht. Es wurde ein voller Erfolg. Die Begeisterung war bei allen Beteiligten so stark, dass man unbedingt eine Fortsetzung wollte. Joanne Bell hat eine Wahnsinnsausstrahlung", schwärmt Ufermann, während er an seinem cremigen Heißgetränk nippt. Sie singt ohne Verstärker gegen eine ganze Band und ein Orchester."

Seit einem Dreivierteljahr bereiten sich die beteiligten Musiker auf das Ereignis vor, das als kleine Tournee durch vier Städte und Gemeinden der Region über die Bühne gehen wird. Ein Dreivierteljahr ist eine lange Zeit, weiß auch der Westerkappelner Ufermann, der nicht nur die Leitung des 50 Frauen und 25 Männer umfassenden Ki.Pop-Chores innehat, sondern ebenso die des gleichfalls beteiligten Jungen Chores aus Westerkapppeln. „Da muss man ein bisschen aufpassen, denn die Luft darf natürlich nicht rausgehen. Aber es merken alle Beteiligten, dass die Dinge sich jetzt zusammenfügen. Es geht nur noch nach oben." Tatsächlich haben die beiden höre bereits ein Wochenende lang gemeinsam geprobt. Die Proben mit Band und Orchester stehen derweil noch aus. Anlass genug für Spannung, Nervosität und hohe Erwartungen.

 
„Die Klappe weit auf! Und ein bisschen jaulen!" Martin Ufermann

In ihrer Nervosität unterzugehen haben die Mitglieder des Ki-Pop-Chores an diesem Abend zumindest jedoch keine Chance. Dafür ist das Probenpensum viel zu dicht. Es beginnt mit einem (en Atem regulierenden Zischen, geht danach in Tonleiterübungen über. Schließlich darf mit den Fingern geschnippt werden. „Schön swingen!", ruft Martin Ufermann seinen Sängern zu, und tatsächlich zeigt sich schon nach wenigen Gesangsminuten, dass dieser Chor nicht nur Phon, sondern auch Swing hat. Von einem lockeren „Ba-dumm, badaa!" gelangen die vokalistischen Aktivisten zügig zum ersten Stück des Probenabends. „There's a heaven up there...", klingt es mächtig und unheimlich auf den Punkt gesungen durch den Raum. Aber Martin Ufermann will mehr, vor allem mehr Soul, mehr Blues, mehr Gospel, mehr Schwärze. „Jetzt mal nicht so westfälisch! Bitte etwas dreckiger!" fordert er, spornt seine singende Mann- und Frauschaft an. Die pariert die Forderung des Maestros mit gesteigerter Gesangsintensität – und ist binnen kurzer Zeit wieder einen Schritt näher an einer schwarzen Messe.

Es muss eben alles perfekt sitzen und klingen, wenn die Bühnenscheinwerfer angehen. „Die Klappe weit auf. Und ein bisschen jaulen!", befiehlt Martin Ufermann. Er gibt an diesem Abend den Dompteur für Stimmbänder, Zungen und Zäpfchen. Nur besteht seine Aufgabe gerade nicht in der Bändigung, sondern in der Entfesselung vokaler Energie. Die Chorsänger sollen alles geben, alles aus sich herausholen. Natürlich begrenzt der Probenraum die kollektive Stimmgewalt, und unwillkürlich, während der Gesang immer beschwörender wird, fragt man sich, wie dieser Chor wohl mit der richtigen, passenden Akustik klingt. Mit dem Hall einer Kirche, deren Wände den Gesang zurückwerfen und hierdurch veredeln, überhöhen.

Das geöffnete Fenster sorgt für neues Lungenfutter, die Sänger des Ki-Pop-Chores nehmen noch einmal so richtig Fahrt auf. Draußen pfeift inzwischen ein kräftiger Wind durch die Bäume, biegt die Zweige, reißt an ihnen. Dunkle Regenwolken ziehen über den Ort, während der Chor singend darum fleht, Gott möge ihn nicht in Versuchung führen. Erst ist der Bass eingestiegen, dann der Tenor, es folgen erster, dann zweiter Sopran – und dann fließen alle Stimmen des Chores zu einem gewaltigen Einen zusammen. Für ein solch perfektes Zusammenspiel, solche Momente, in denen der Kern von Musik sich rein präsentiert, gibt es nur ein Wort: schön.

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„There's a heaven up there...": Sängerinnen in vokalistischer Aktion

 

Das starke Geschlecht ist nicht ganz so stark vertreten: Männer machen gut ein Drittel des Ki-Pop-Chores aus.


Die Tournee: „Our Father in Heaven", mit Joanne Bell, dem Ki-Pop-Chor Mettingen, dem jungen Chor Westerkappeln, dem Orchester des Goethe-Gymnasiums Ibbenbüren und Instrumentalsolisten. 20. Oktober, Ev. Stadtkirche, Westerkappeln, 19 Uhr; 21. Oktober, Lutherkirche, Osnabrück, 20 Uhr; 27. Oktober, Christuskirche, Ibbenbüren, 20 Uhr; 28. Oktober, St.-Agatha-Kirche, Mettingen, 17 Uhr. Vorverkauf: Musikhaus Bleker, Ibbenbüren, Telefon 05451/23 11; Schreibwaren Gerbas, Mettingen, Telefon 05452/973017. Informationen gibt es auch im Internet unter www.kipop-chor.de.