22. Westerkappelner Gospelworkshop

Quelle: Westfälische Nachrichten - 17.12.2018

Von Dietlind Ellerich

Westerkappeln - „Der Input ist grandios“, findet Kantor Martin Ufermann. Und auch die gut 100 Teilnehmer des 22. Westerkappelner Gospelworkshops lassen sich bereitwillig auf das eine oder andere Experiment ein, das Musiker Chris Lass für die Proben vorbereitet hat.


„Entertainer mit Tiefgang“: Chris Lass, diesjähriger Leiter des Westerkappelner Gospelworkshops,
steckte die gut 100 Teilnehmer mit seiner guten Laune an. Foto: Dietlind Ellerich

„Drückt euch aus, schämt euch nicht“, feuert das Energiebündel auf dem Podest die gut 100 Sängerinnen und Sänger im Dietrich-Bonhoeffer-Haus an, nicht nur ihre Herzen, sondern auch ihre Gesichtszüge und Arme zu öffnen. Als sich die Frauen und Männer einander zuwenden und sich in der Probe „ansingen“, kommt automatisch Freude auf, und das Singen wird zur Herausforderung. Der XXL-Chor meistert sie dank des strahlenden und bestens aufgelegten Musikers Chris Lass , der am Wochenende zum ersten Mal der Leiter des inzwischen 22. Westerkappelner Gospelworkshops war.
Gut 100 Frauen und Männer waren beim 22. Westerkappelner Gospelworkshop dabei.



Gut 100 Frauen und Männer waren beim 22. Westerkappelner Gospelworkshop dabei. Foto: Dietlind Ellerich

„Oh, how I love you“ heißt der Song, der wie die anderen Titel für das Abschlusskonzert am Sonntagabend aus der Feder des Komponisten aus Bremen stammt. Dem 35-Jährigen gelingt es scheinbar mühelos, die Sänger zwischen 13 und Mitte 70 bei der Stange zu halten. „So wie ihr ausseht, so singt auch bitte“, fordert er sie heraus, das Strahlende, das er in ihren Gesichtern sieht, auch im Klang auszudrücken.
„So wie ihr ausseht, so singt auch bitte“, fordert Chris Lass die Teilnehmer heraus, das Strahlende, das er in ihren Gesichtern sieht, auch im Klang auszudrücken.


„So wie ihr ausseht, so singt auch bitte“, fordert Chris Lass die Teilnehmer heraus, das Strahlende,
das er in ihren Gesichtern sieht, auch im Klang auszudrücken. Foto: Dietlind Ellerich

„You are all my mind forever, I am at your side“, die Bridge des Songs steht gerade auf dem Plan, und der Workshopleiter möchte, dass die Sänger auswendig singen, sich nicht in Notenheften vergraben, stattdessen im Kontakt mit ihm bleiben. Vor allem wünscht er sich, dass sie nicht mit sich und ihrem Können hadern, falls sie mal nicht so klingen, wie sie es sich vorstellen. „Gestern konnte ich es schon einmal besser“, gilt für ihn nicht. „Ihr konntet es auch schon Mal gar nicht“, verweist Lass unermüdlich auf die Fortschritte der Runde mit gut 80 Gospelworkshop-Wiederholungstätern und 20 Neueinsteigern aus Westerkappeln und der näheren Region.
Unter den rund 100 Teilnehmern waren etwa 80 „Wiederholungstäter“.


Unter den rund 100 Teilnehmern waren etwa 80 „Wiederholungstäter“. Foto: Dietlind Ellerich

Und überhaupt, „Hauptsache es klappt am Sonntag“, lautet die Devise des „Entertainers mit Tiefgang“, wie Martin Ufermann den 35-Jährigen beschreibt. Der Kreiskantor ist selber fasziniert von dem Geschehen, das er im Dietrich-Bonhoeffer-Haus erlebt. Immer wieder schaut und hört er mal rein, genießt die gute Stimmung. „Man hat kaum eine Chance, sich dem zu entziehen“, beobachtet er nicht nur an sich selbst, sondern auch an den Sängerinnen und Sängern, von denen er die meisten aus seinen Chören kennt.
Singen mit Herz und Seele ist wichtiger als eine tolle Stimme.


Singen mit Herz und Seele ist wichtiger als eine tolle Stimme. Foto: Dietlind Ellerich

„Groovig, fetzig, eigen“, so beschreibt Ufermann die Begegnung mit dem jungen Musiker, der seinen Glauben trotz oder gerade wegen einer Reihe von Schicksalsschlägen völlig ungezwungen lebe. Lass sei auf Wunsch einiger Teilnehmer in Westerkappeln zu Gast, sagt Ufermann. Sie hatten eine CD-Produktion in Bremen mit ihm erlebt und waren ebenso begeistert wie Ufermann selber, der ihm beim Gospelkirchentag in Braunschweig kennengelernt hatte.

„Der Input ist grandios“, findet Ufermann, und auch die gut 100 Teilnehmer lassen sich bereitwillig auf das eine oder andere Experiment ein. Die Stimme in den Handflächen spüren?? Kein Problem, wenn man sich drauf einlässt.

„Ihr werdet perfekt singen, das ist mein Job, und ich bin gut in meinem Job“, verspricht Lass, dass am Sonntagabend alles reibungslos über die Bühne gehen wird. Dennoch: „Mit Perfektion können wir uns nicht brüsten“, stellt Chris Lass klar, „denn Singen mit Herz und Seele ist wichtiger als eine tolle Stimme.“

Lass sieht den großen Chor am Samstagmorgen auf einem guten Weg. „Es richtig machen wollen, ist phantastisch, aber nicht auf Kosten des Spaßes an der Musik“, erklärt er. Nach einigen Stunden Probenarbeit beobachtet er, dass seine Botschaft bei den Sängern ankommt.

Das Publikum kann sich am Sonntagabend (24. Februar, 19 Uhr) in der Stadtkirche davon überzeugen, dass sich das arbeitsreiche und stimmungsvolle Wochenende auf jeden Fall gelohnt hat.