Premiere"Emmaus"-Oratorium

Quelle: Neue OZ - 30.10.2006

Von Gerhard Baune

WESTERKAPPELN. "Es gibt Wege, die vergisst man sein Leben lang nicht." Mit diesen Worten leitete Martin Ufermann in seiner Begrüßung zum Inhalt des Emmaus"-Berichtes im Lukas-Evangelium über. Dieser Bericht wurde von dem evangelischen Theologen Eugen Eckert mit einer inhaltlichen Ausweitung versehen und zu einem tragfähigen Textkonzept für ein Oratorium gestaltet.

Dieses Oratorium, das im Sakro-Pop-Stil von dem Essener Komponisten Thomas Gabriel vertont wurde und ein wenig an die großen Werke eines Peter Janssen erinnert, kam jetzt in Westerkappelns Stadtkirche sowohl am Samstag als auch am Sonntag zur Aufführung.

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Quantität und Qualität: im Altarraum wurde es mit Orchester, Rockband,
Jungem Chor und Kantorei sowie etlichen Solisten ganz schön eng.

Hier können sogleich ein großes Ausrufezeichen und ein kleines Fragezeichen gesetzt werden: in der Stadtkirehe? Es wurde eng, "gemütlich eng" (Ufermann) in den Zuhörerreihen, und das spricht eindeutig für die Unterstützung der Arbeit des Kirchenmusikdirektors Martin Ufermann in der Öffentlichkeit, die über die Grenzen Westerkappelns hinausragt.

Noch enger wurde es im Altarraum, denn mit dem großen Orchester des Goethe-Gymnasiums Ibbenbüren, einer exquisit besetzten besetzten Rockband, mehreren Instrumentalsolisten und nicht zuletzt dem jungen Chor Westerkappeln" und der Kantorei der Stadtkirche füllte sich der Altarraum komplett.

Dieser Quantität folgte prompt die Qualität. Sieht man von leichten Unsicherheiten im Instrumental-Intro einmal ab, als das Orchester ein wenig schleppend, aber keinesfalls stolpernd ins Spiel fand, zogen alle Ausführenden die atem- und geräuschlos folgende Zuhörerschaft unmittelbar hinein in das "Emmaus"-Geschehen.

Unterhaltsame Abfolge

Diese ist in der Tat das, was Martin Ufermann eingangs angekündigt hatte, nämlich eine unterhaltsame, rasch ablaufende Folge von Rezitativen und Chorversen wie auch von mal rockig beschwingten, mal meditativ breiten Instrumentalpassagen.

Weder der Texter noch der Komponist lassen den Zuhörer spannungsmäßig da raus, keiner kann inhaltlich abschalten, so ist das Werk gestrieckt und gewollt. Entsprechend fügten Martin Ufermann und seine Gefolgschaft das "Emmaus"-Oratorium zu einem flotten und stimmigen Ganzen, und das ohne musikalische Qualitätsabstriche.

Der große Chor setzte durchweg punktgenau ein, was bei der lebendigen Rhythmik des Werkes nun wahrlich nicht einfach ist, und er gab sich auch in Bezug auf Intonationsklarheit, dynamischen Feinschliff und Überzeugungskraft im Volumen keine Blöße. Und es überzeugte auch die sichtbare Freude und Leidenschaft, mit der man ermüdungsfrei bei der Sache war.

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Martin Ufermann gelang ein weiterer Höhepunkt der kirchen musikalischen Arbeit in Westerkappeln

Das alles verdient besonders deshalb lobende Erwähnung, weil Thomas Gabriel den Chor knappe zwei Stunden lang in großem Funktionsspektrum fordert, das von plappernder Volksstimme bis hin zum elegant auszuformulierenden Choral reicht. Reibungslos funktionierte das Miteinander mit der Band wie auch mit dem Orchester und auch mit den weit vorne postierten Vokalsolisten,

Es mutet kühn an, mit welcher Selbstverständlichkeit Thomas Gabriel etwa den Choral "Wenn ich einmal soll scheiden" des großen Johann Sebastian Bach zu neuer Textunterlegung heranzieht und ihm noch eine zusätzliche Würze durch eingestreute Riffs der Solisten verpasst.

Starke Solisten

Gelungen auch die unterhaltsame Instrumentierung des "Chores der Schergen" durch das Pereussionstalent Felix Holzenkamp sowie der von Volker Wink (Klarinette) und den Geigerinnen Friederike Groll und Linn Sahlmüller leidenschaftlich-folkloristisch dargestellte Dialog mit dem Levi-Darsteller Hans-Peter Neises.

Die Band absolvierte ihren Part durchweg ohne Fehl und Tadel wie das von Heiner Vornhusen einstudierte Orchester auch, und damit war einer der Grundsteine für den großen Erfolg des "Ernmaus"-Oratoriums in Westerkappeln gelegt.

Hieran knüpften Marion Gutzeit als Thekla, Benjamin Witthoff als Kleopas, Jan Altenbockum als Jesus und Christian Tobias Müller als Evangelist nahtlos an. Aufmerksam hörten die Solisten mit, was sich in ihrem Rücken musikalisch tat, und agierten dann entsprechend.

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Ohne Fehl und Tadel spielte das von Heiner Vornhusen einstudierte Orchester des Goethe-Gymnasiums seinen Part

Als Wermutstropfen erwiesen sich dabei lediglich die Mikrofone der Solisten, die teilweise recht hoch ausgesteuert waren und so ein anderes Präsenzbild abgaben als beispielsweise der mikrofonlose Chor. Diese Tropfen versickerten freilich im Fluss der mitreißenden Chor- und Instrumentalparts, die mit viel Einfühlungsvermögen ausgeleuchtet wurden.

Mit"Emmaus" hat Martin Ufermann einen weiteren, diesmal ziemlich dicken Stein für das kirchenmusikalische Haus in Westerkappeln gesetzt, an dessen Fundamenten nicht gerüttelt werden darf. Der Gang zur "Emmaus"-Aufführung in der Stadtkirche war für viele Besucher nämlich einer der Wege, die man nicht vergisst.