VON GERHARD BAUNE

Westerkappeln. „Die Emmaus-Erzählung im Lukas-Evangelium ist nach wie vor eine der schönsten Hoffnungsgeschichten, die ich kenne" sagte Martin Ufermann in seiner Begrüßung. Wohl wahr, denn die Zuhörer, die am Samstagabend in der vollbesetzten Stadtkirche das „Emmaus"-Musical miterlebten, werden bestätigen können, dass es Martin Ufermann zum wiederholten Male gelungen ist, die Begeisterung, den Optimismus der Emmaus-Erzählung musikalisch in die Zuhörerschaft hinein zu tragen.

Er, der nimmermüde Kirchenmusikdirektor im Dienst der evangelischen Kirchengemeinde, kann sich für den Erfolg der Aufführung vom Samstag den Löwenanteil gutschreiben.

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Der große, bestens geschulte Chor, bestehend aus dem „Jungen Chor" und der Kantorei, war trotz der räumlichen Entfernung stets am Puls des Geschehens, und das von Heiner Vornhusen perfekt vorbereitete Goethe-Orchester überzeugte ebenso. Fotos: Sonja Möller

Anders nämlich als im Oktober 2006, als „Emmaus" bereits zweimal aufgeführt wurde, war jetzt mehr Schwung und Gelöstheit, aber auch mehr Souveränität und Eleganz im Spiel, und das tat der Aufführung spürbar gut. Martin Ufermann forderte energischer und zielgerichteter die Verschiedenartigkeit der insgesamt sechs Bilder ein, die das durch manche inhaltliche Rückblende ergänzte Eugen-Eckert-Libretto zu einem tragfähigen Musical-Konzept verbindet.

Von den ersten Schwebeklängen der ruhigen Ouvertüre bis hin zum mitreißenden, rhythmischen „Halleluja" am Schluss gab es kaum mal einen Takt, in dem sich Ufermann mit dem einfachen Takt-Dirigat zufrieden gab. Erinnert sei an die säuberlich herausgearbeiteten Trugschluss-Akkorde, mit denen der Komponist Thomas Gabriel dreist den andächtigen Bach-Choral auf die scheinbar schiefe Bahn führt.

Der große, bestens geschulte Chor, bestehend aus dem „Jungen Chor" und der Kantorei, zog die angegebenen Bahnen bereitwillig und durchweg engagiert mit, hielt sich aber dezent im dynamischen Rückraum auf, wenn beispielsweise der Kleopas-Solist Benjamin Witthoff im Vordergrund zu stehen hatte. Witthoff setzte in der Aufführung genauso entscheidende Akzente wie die übrigen Solisten Jan Altenbockum (Jesus), Christian Tobias Müller (Evangelist) sowie die für die ursprünglich vorgesehene Marion Gutzeit eingesprungene Sigrid Heidemann in der Rolle der Thekla.

Kleiner Wermutstropfen: Dieses Quartett wie auch die verschiedenen Nebenrollen-Solisten (Ausnahme „Levi" Hans-Peter Neises) wurden von ihren Mikrofonen immer wieder zu hoch ausgesteuert, so dass sich für die Zuhörer im hinteren Kirchenbereich unterschiedliche Präsenzen ergaben.Dem Gesamteindruck einer flott ablaufenden Aufführung tat das freilich keinen Abbruch. Schroff rückt der Komponist in der „Verspottung" – Rückblende à la Peter Janssens – mächtige Sacro-Pop-Elemente in den Vordergrund, um unmittelbar darauf im „Verhör" den vollen Bach-Matthäuspassions-Kurs einzuschlagen. Das muss man als mitgehender Zuhörer erst mal verkraften.

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Solist Jan Altenbockum

Diese Vielseitigkeit der Musik, die Entführung des Publikums in immer neue Klangwelten ist der Schlüssel zum Erfolg des „Emmaus"-Musicals, wenn die Interpreten entsprechend mitspielen. Das taten sie, leidenschaftlich vom Dirigenten angeführt, über die gesamte Distanz der gut 100 Minuten.

Der große Chor war trotz der räumlichen Entfernung stets am Puls des Geschehens, und das von Heiner Vornhusen perfekt vorbereitete Goethe-Orchester leistete sich keinen groben Patzer. Auf das Orchester kann Vornhusen stolz sein (Kommentar Vornhusen: „Bin ich auch !").

Auch das Spiel der Combo wird den Dirigenten keine Nerven gekostet haben, vielmehr entpuppte sich das Spiel der Profis schnell als eine weitere sichere Bank im Gesamtgeschehen. Wohl dem Dirigenten, dem Fachleute wie Florian Seidensticker (Bass), Joachim Dölker (drums), oder Christian Schauerte (Klavier) ihre Unterstützung zusagen.

Bestens passt an dieser Stelle der Nachbetrachtung die –hypothetische- Frage nach einer Art Höhepunkt des runden Ganzen: Klare Antwort: Die Klezmer-Szene „im Hause des Levi" ist es ohne Zweifel. Einfach herrlich, wie sich die „Glissando"-Klarinette (meisterlich: Volker Winck) zum beschwingten Tanz mit den untermalenden Geigen (prima gemacht von Friederike Groll und Philine Hagel) vereinigt und eine typisch jüdische Feier-Atmosphäre in den Kirchenraum zauberte !

Geschickt zog Martin Ufermann dieses Element noch einmal hervor, als die „Standing ovations" kein Ende nehmen wollten.

Klezmer und vieles mehr, das nahmen die dankbaren Zuhörer dann aus „Emmaus" in der Stadtkirche mit nach Hause.

Quelle: WN - 13.04.2008