Westerkappeln - Als Angelika Oberbeckmann die Kanzel emporstieg, wird sie dies sicher nicht ohne ein wenig Lampenfieber getan haben. Gut 15 Minuten später brandete kräftiger Beifall in der beinah voll besetzten Stadtkirche auf. Applaus am Ende einer Predigt ist eher die Ausnahme. Die 46-Jährige hat am Sonntag einen gelungenen Einstand gefeiert, lässt sich dazu sagen.

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Angelika Oberbeckmann wurde von ihren Kollegen und vom Presbyterium freundlichst in ihrer Mitte empfangen.Fotos (3):
(Frank Klausmeyer)

„Wir werden nun einen gemeinsamen Weg gehen, auf den ich mit Freude und Spannung warte", sagte Pfarrerin Oberbeckmann in der Predigt anlässlich ihrer offiziellen Einführung in das neue Amt. Dafür hatte sie das Gleichnis „Gott lässt die Saat aufgehen" aus dem 4. Kapitel des Markus-Evangeliums gewählt. „Mit dem Reich Gottes ist es wie mit dem Samen, den ein Bauer auf seinem Feld sät", wird Jesus in diesem Text zitiert. Mehr bedürfe es nicht. Komme ein Korn in die Erde, keime es und bringe viel Frucht.

„Lasset den Samen wachsen. Wer weiß schon, wann Gottes Liebe Wurzeln schlägt", meinte Oberbeckmann. Muße sei dabei erlaubt und tue gut, sei besser als schnell gestrickte Gemeindewachstumskonzepte. „Das Säen ist unsere Aufgabe. Alles andere kommt von selbst", zeigte sich die Pfarrerin überzeugt.

Auch wenn der Blick aus dem Fenster anderes lehre, als dass Frieden und Gerechtigkeit sich in diesem Moment küssten. Es gebe für jeden Momente, in denen er ohne Vorankündigung mit reicher Ernte beschenkt wird. „Hauptsache, wir säen", sagte Angelika Oberbeckmann.

Es sei Auftrag der Kirche, Gottes Wort weiterzugeben. „Dafür wird sie gebraucht, dafür steht sie", hatte zuvor Superintendent Hans Werner Schneider erklärt. Die biblische Botschaft in unsere heutige Welt zu übersetzen, darum gehe es im Dienst der Pfarrerinnen und Pfarrer. Dieser Dienst sei nicht immer einfach.

Der Aufforderung von Superintendent Hans Werner Schneider an die Gemeinde, ihre neue Pfarrerin zu achten und zu unterstützen, kam diese jedenfalls mit ihrem lauten Beifall für Angelika Oberbeckmann schon einmal eindrucksvoll nach.

Unter festlichen Klängen des Posaunenchores schritten das Presbyterium, Superintendent Schneider, die Pfarrer Olaf Maeder und Olaf Burghardt zu Beginn des Gottesdienstes gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin in die Stadtkirche ein. Pastor Maeder eröffnete den Gottesdienst und begrüßte dazu ganz besonders die Geschwister aus der katholischen und der methodistischen Gemeinde sowie Bürgermeister Ullrich Hockenbrink.

Unter die Besucher hatten sich auch Glieder der evangelischen Kirchengemeinde Büren gemischt, in der Angelika Oberbeckmann zwölf Jahre gewirkt hatte und in der ihr Ehemann Jörg weiter mit einer halben Pfarrstelle tätig sein wird.

„Für Angelika Oberbeckmann ist der heutige Tag ein besonders wichtiger, ein Stationstag auf ihrem Weg", sagte Superintendent Schneider. Ebenso sei es ein bedeutsamer Stationstag für die Gemeinde. „Wir wünschen ihr offene Türen in Westerkappeln, in den Häusern und Herzen."

Mit der Segnung durch den Superintendenten, die Pfarrer Maeder und Burghardt sowie Vertreter des Presbyteriums wurde Angelika Oberbeckmanns Einführung im Gottesdienst vollzogen. Die neue Seelsorgerin werde gebraucht mit ihren Gaben, die Gott ihr gegeben habe, sagte Schneider.

Nach dem Gottesdienst, den auch die Kantorei und der Junge Chor musikalisch mitgestalteten, wechselte das Geschehen ins Haus Bonhoeffer, wo es bei einem Imbiss reichlich Gelegenheit gab, mit der neuen Pfarrerin ins Gespräch zu kommen.

VON FRANK KLAUSMEYER, WESTERKAPPELN

Quelle: WN - 07.02.2010