Westerkappeln - „I want to be ready when Jesus comes" - Martin Denzin gibt den Rhythmus vor und fordert die 120 Sängerinnen und Sänger auf, den Text mitzusprechen, dann schnipse es sich besser, ist er überzeugt. Doch das ist noch nicht alles, Stramm- und Stillstehen geht im Gospelchor gar nicht, also „fangt mit einem Schritt nach rechts an", sagt der Schlagzeuger und Percussion-Profi und ermuntert die Jugendlichen, Frauen und Männer dazu, auch im Takt zu klatschen. Da ist Koordination gefragt und nachdem der Bann erst mal gebrochen ist, klappt alles zusammen schon ganz gut.

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„Zieht euch mal die Leiter aus dem Nacken", hatte Chorleiter Hanjo Gäbler die Sängerinnen und Sänger aufgefordert. Und plötzlich klappt es mit der Koordination, obwohl es gar nicht so einfach ist.Foto:
(Dietlind Ellerich)

Doch Denzin ist noch nicht ganz zufrieden, die Sache mit dem englischen „th" macht ihm Sorgen, und er rät denjenigen, denen es schwer fällt, den Laut korrekt auszusprechen, ein weiches „w" als Alternative einzusetzen. „Der Zuhörer hört das kaum", verspricht er.

Am Wochenende war wieder Gospel-Zeit im Haus Bonhoeffer. Wie in den vergangenen 13 Jahren waren jede Menge Gospel-Fans aus Westerkappeln und der näheren Umgebung gekommen, um mit viel Engagement und Spaß ein Programm zu erarbeiten, dass am Sonntagnachmittag in der Stadtkirche präsentiert wurde.

„Hanjo Gäbler ist ein Mensch, der das Herz am rechten Fleck hat", schwärmt Kirchenmusikdirektor Martin Ufermann von der tollen Atmosphäre, die der Chorleiter aus Elmshorn in den Workshop zaubert. In der Tat ist die Stimmung super, Gäbler lobt die Sänger zwischen neun und knapp 70 Jahren, fordert aber auch Einsatz und kritisiert, wenn nötig, auch ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ihm zur Seite steht Schlagzeuger Martin Denzin, der für den Groove sorgt, den Riesenchor dazu bringt, zu klatschen, zu schnipsen, zu stampfen, wenn das Arrangement es erfordert.

„Hände, Füße, Beine, Grinsen nicht zu vergessen" - gleich vier Dinge auf einmal sind zu beachten, das sei gar nicht so einfach, ist sich Gäbler bewusst und erzählt von einem Gottesdienst, den er in Afrika erlebt hat. Die Menschen dort sähen aus, „als hätten sie richtig Bock drauf, so leichtfüßig wirken deren Bewegungen", erinnert er sich. „Wir sind nicht nur in einer Richtung elastisch", motiviert er die Sänger, sich körperlich einzubringen. Nicht Peter Alexander, sondern Ray Charles sei das Vorbild, und siehe da, die zuvor zitierte „Mentalität, gemütlich etwas wegzusingen" tritt in die Hintergrund, die Körpersprache, der Groove spielt mit.

Jetzt ist Zeit, sich den Song noch einmal von Beginn an vorzunehmen, es klingt toll, und es sieht vor allem richtig gut aus. „Wow!" - am Schluss applaudieren nicht nur die Workshop-Leiter, auch die Sängerinnen und Sänger sind mit dem Ergebnis des Vormittags richtig zufrieden.

Weiter geht es mit den Proben, bis das Programm für das Konzert steht. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der „Bodypercussion". Denzin leitet den Workshop, in dem der Körpereinsatz zur Musik im Vordergrund steht.

Die Jugendlichen und Erwachsenen sind begeistert von der tollen Atmosphäre im Haus Bonhoeffer. An diesem Wochenende sind 30 neue Sänger dabei, drei Viertel des Chores sind Wiederholungstäter und machen sicherlich nicht zum letzten Mal mit.

VON DIETLIND ELLERICH

Quelle: WN - 28.02.2010