Workshop in der Stadtkirche: 120 Sänger bilden einen Chor

Von Gabriele Böhm

WESTERKAPPELN. Geht's euch gut?", fragte Hanjo Gäbler seinen Projektchor. Überzeugende Antwort aus 120 Kehlen: „Jaaaa!" Trotz schäbigen Wetters feierten die Sängerinnen und Sänger am Sonntagabend in bester Laune mit dem Publikum in der fast voll besetzten Stadtkirche ein Gospelfest. Das Konzert bildete den Abschluss des 13. Westerkappelner Gospelworkshops.

wn-20100303
Bei aller Konzentration und trotz der nur kurzen Probenzeit fühlte sich der Chor beim Konzert sichtlich wohl. Foto: Gabriele Böhm

Kreiskantor Martin Ufermann zeigte sich mit der Resonanz auf das Workshop-Angebot sehr zufrieden: „Der jüngste Teilnehmer ist neun Jahre alt, die ältesten gehen auf die 70 zu", berichtete er über die Zusammensetzung. Gospel sei Musik, die „von Herzen kommt und zu Herzen geht". Viele Musiker habe man schon als Referenten gewinnen können. Hanjo Gäbler (Chorleitung, Keyboard) aus Hamburg und Martin

Denzin (Drums, Percussion), beide in Deutschland sehr gefragt, hätten sich jetzt zum ersten Mal in Westerkappeln eingefunden.

Mittlerweile schon Tradition: Der Chor zog, musikalisch von den beiden Leitern begleitet, in die Kirche ein. Gleich beim ersten Titel „Back to the rock" wurde deutlich: Die Stimmung stimmte! Die Chormitglieder hatten Energie, waren in Bewegung, lachten und rissen die Zuhörer mit.

Nach dem schwungvoll-fröhlichen Beginn erklang aus der Sparte „Praise and worship" (Lobpreis und Anbetung) „ 1 haue found a place to stay". Hanjo'Gäbler suchte von der ersten Minuten an den Kontakt zum Publikum, erzählte, erklärte die Songs, forderte zum Mitmachen auf. Als Überleitung zum nächsten Titel „Jesus ist the ans-wer" berichtete er von einer eindrucksvollen Begegnung mit dem Komponisten Andre Crouch.

Zur Bluesballade „Sometimes I feel like a motherless child" erläuterte er, dass dieses Stück sozusagen seine eigene Lebenssituation im vergangenen 'Jahr wiedergebe: „Es geht einem halt nicht immer gut, aber solche Lieder und die Gewissheit von Gottes Güte sind dann ein Trost."

Diese Offenheit ist sicher einer der Gründe, warum das Konzert so entspannt ablief und sich der Chor bei aller Konzentration und der nur kurzen Probenzeit sichtlich wohlfühlte. Auch den vielen Sängern, die solistisch auftraten, war kaum Lampenfieber anzumerken. Der Chor gestaltete die ganz unterschiedlichen Lieder sorgfältig dynamisch aus, Martin Denzin sorgte am Schlagzeug für eine ebenso zuverlässige wie angenehm zurückhaltende Begleitung. Von einem hohen Podest aus spielte Gäbler Keyboard und dirigierte gleichzeitig den Chor. Auch die Jüngsten sangen fast alles auswendig.

„Wir haben in eineinhalb Tagen sechs Stücke gelernt", so Gäbler. Das sei „recht ordentlich", 'ergebe jedoch noch kein ganzes Konzert. „Deshalb springen wir jetzt ins kalte Wasser", meinte er. Für Chor und Publikum gleichermaßen überraschend wurde aus dem Nichts zusammen ein Gospelmedley

gesungen: „He's got the whole world in his hand", „This little light of raine" und „Amen". Kein Mensch hatte das geübt, aber es klappte.

Einmal warm geworden, sollte das Publikum auch gleich „Holt' is he land of God" lernen. Die Strophen wurden dabei von den jüngsten Teilnehmern gekonnt

übernommen. Dann durften sich die Zuhörer aber auch wieder zurücklehnen und einfach genießen: „Sweet hour of pray'r" und „O happy day". Nach dem von großem Beifall begleiteten Dank von Pfarrerin Angelika Oberbeckmann an Ufermann erklang als Zugabe der Gospel-Rock „He took me in".

Quelle: NOZ - 03.03.2010